Schicker, Smarter, Sackgasse – Die Zukunft der TVs

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smarte fernseher - dead on arrival

In den letzen Jahren haben sich die Fernseher in unseren Wohnzimmern stark verändert. Erst wurde die Röhre durch Rückprojektoren und Plasma-TVs ersetzt. Eine Zeit lang dominierten LCDs und schließlich setzten sich die schicken flachen LEDs mit 3D, Full-HD, 200Hz und Internetanschluss durch. Die Fernsehhersteller prophezeiten, dass die neue Generation der Smart-TVs zur interaktiven Schaltzentrale im Wohnzimmer werden würden. Videos, Apps oder im Internet surfen – alles kinderleicht dank Smart-TV. Doch anscheinend will das niemand. Die smarten Features gingen komplett an den Bedürfnissen der Kunden vorbei.

Vor einem Jahr stellte Gizmondo bereits ein überwältigendes Desinteresse an den neuen interaktiven Funktionen fest. Mehr als die Hälfte der internetfähigen Geräte wurde nie an das Internet angeschlossen. Es wurde klar, dass die Meisten nur einen dummen Fernseher haben wollten. Auch Richard Gutjahr hat in seinen 9 1/2 Thesen zum Thema Smart-TV resümiert, die Smart-TVs seien bereits Dead on Arrival.

Das Problem: SmartTVs besitzen keine Funktion, die mein Smartphone nicht mittlerweile genau so gut – in vielen Fällen sogar besser – beherrscht.

Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Wenn ich den Wetterbericht brauche, zücke ich mein Smartphone. Will ich surfen oder ein Video ansehen, greife ich zum Tablet. Jetzt bestätigt auch eine Umfrage von W3B, dass die wenigsten Deutschen ihren Smart-TV zum surfen nutzen. Obwohl bereits bei jedem dritten Online-Nutzer ein Internet-fähiger Smart-TV steht, nutzen gerade einmal 13 Prozent diese Funktion regelmäßig. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an die Online-Funktionen ihres Smart-TVs gar nicht zu nutzen. Statt dessen dienen TVs noch immer hauptsächlich dem Empfang herkömmlicher Fernsehprogramme und zum Anschauen von Filmen auf DVD und Blu-ray.

Trotz hochwertiger Sendungen wie Dschungelcamp, Tatort oder Bachelor scheint die Glotze noch immer nicht aus der Mode zu kommen. Im Gegenteil. Die Deutschen verbringen laut AGF/GfK-Fernsehforschung immer mehr Zeit vor dem Fernseher, im Schnitt 226 Minuten am Tag. Das freut die Sender, den Fernsehherstellern ist es nur ein schwacher Trost, denn ihre Situation ist verfahren.

sharp 80 inch
80 Zoll Fernseher in meinem Büro

Das Dilemma der Fernsehhersteller

Bisher kannten die TV-Hersteller nur den Weg des technologischen Fortschritts. Elektronikkonzerne investieren Unsummen in Forschung, neue Fertigungstechniken und Fabriken um immer bessere Hightech-Geräte anbieten zu können. Doch obwohl die neuesten TVs noch größeren Bildschirmdiagonalen, höhere Auflösungen und noch brilliantere Bilder liefern, ist es den Unternehmen nicht gelungen, die hohen Investition durch steigende Erlöse aufzufangen. Seit Jahren schreiben nahezu alle TV-Hersteller tiefrote Zahlen. Der Umsatz schwächelt und trotz aller Neuerungen fehlt den Verbrauchern der Grund sich (erneut) einen neuen Fernseher zuzulegen.

Es wird immer offensichtlichtlicher, dass technische Kenngrößen alleine nicht mehr ausreichen, um TVs zu verkaufen. Die Evolution hin zu netzwerkfähigen Smart-TVs verlief zu langsam. Die Chance sie als Schaltzentrale im Wohnzimmer zu etablieren ist endgültig vertan. So wurden Smartphones und Tablets die neuen digitalen Spielzeuge im Wohnzimmer. Die Entwicklung steckt in der Sackgasse und die Hersteller müssen sich ein neues Konzept einfallen lassen.

Panasonic CEO Laurent Abadie sagte neulich in einem Interview das neue Standards wie Ultra-High Definition (4K) zwar neue Möglichkeiten bieten, der Erfolg der großen Hersteller jedoch in erster Linie von deren Fähigkeit abhinge, die Fernseher ans Netz zu bringen und den Nutzern dort Inhalte anbieten zu können.

Panasonic setzt weiterhin auf das Internet, wobei neben der Vernetzung nun auch Inhalte im Fokus stehen sollen. Apple, Google und nun auch Microsoft machen es vor. Sie bieten mobile Betriebssysteme an und profitieren dabei von den hauseigenen App-und Media-Stores.

Das Thema »Content« haben alle TV-Hersteller bisher komplett verschlafen. Dabei wäre es nicht schwer gewesen über Kooperationen mit bspw. Netflix, Spotify und Hulu oder duch Deals mit Film-Labels die TV-Geräte um attraktive Medienangebote zu erweitern und so Set-Top-Boxen, Apple-TVs oder gar Pay-TV-Sendern das Wasser abzugraben
Besonders Sony hätte ich in dieser Hinsicht mehr zugetraut. Doch Sony hat noch eine andere Option. Die soeben vorgestellte Playstation 4 wird dazu beitragen, dass TV-Geräte auch in Zukunft das bleiben, was sie heute sind: Dumme Projektionsflächen für smarte Zuspieler.

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Veröffentlicht von Alexander Esemann

Hi! Ich bin Jahrgang 79, Webarchitekt bei Sharp in Hamburg und wohne mit meiner Frau und unseren drei tollen Kindern in Bremen. Hier auf esemann.com schreibe ich über Netzthemen und wie sich die Digitalisierung auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirkt. Bei Twitter werfe ich Gedankenfetzen in die Welt. Ich freue mich immer über neue Kontakte, also schreibt mir doch einfach mal.

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