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Intelligente Objekte werden uns das Leben vereinfachen. Sie werden uns Essen kochen, während wir noch auf dem Heimweg sind und uns eine SMS schicken, falls anschließend die Küche brennt. Seit Jahren schon wird prophezeit das Internet der Dinge stünde vor der Tür und würde nun unseren Alltag ähnlich stark verändern wie einst das Automobil oder die Currywurst. Das IoT gilt als das nächste großes Ding, als disruptiver Game Changer und überhaupt als nächster unvermeidlicher Schritt der Evolution hin zur Einheit von Mensch und Maschine.

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Es gibt bereits Fitnessgeräte und Smart Watches, die Daten sammeln und übermitteln können. Es gibt auch Steckdosen, die remote geschaltet werden können und einige Apps zum steuern von Home-Entertainment aller Art. Insgesamt ist der Einzug netzwerkfähiger und smarter Geräte in den Alltag bereits zu spüren, doch trotz Tablets, Media-Server, Smart TVs, Bluetooth-Lautsprecher und diverser Wlan-fähiger Gadgets scheint sich die vernetzte Welt nicht so recht manifestieren zu wollen. Während der erste Hype langsam verfliegt, passiert in unserem Alltag enttäuschend wenig. Es ist, als warte man auf eine Revolution, die einfach nicht kommt. Mir persönlich fehlt die ganz große Killer-Applikation für den „Wow-Effekt“ ebenso wie ganz pragmatische Argumente, die nicht nur Nerds davon überzeugen können, sich und ihre Umgebung mit dem Netz zu verkabeln.

Haus Automation

Die Hausautomatisierung stellt einen ersten klaren Anwendungsfall dar. Das man mit einer intelligenten Heizung bares Geld sparen kann, leuchtet ein. Ebenso die Lampe, die sich anschaltet, während man selbst im Urlaub ist. Doch leider beschränken sich die meisten derzeit möglichen Anwendungen noch auf Menschen als Initiatoren und ein schnödes Strom an / Strom aus als Aktion. Licht an, Kaffeemaschine aus, Bügeleisen an.
onoff - belkinDie FAZ meint, damit würde jetzt das Internet der Dinge starten. Okay, von mir aus. Trotzdem sehe ich in der Fernsteuerung meiner Kaffeemaschine noch kein Killer-Feature und mein Bügeleisen von unterwegs mit seinem Smartphone anschalten? Nein danke.

Ein grundsätzliches Problem sehe ich in der üblicherweise analogen Bedienung der meisten „komplexen“ Haushaltsgeräte. An/Aus reicht für den Stabmixer aber nicht für meine Waschmaschine. Meine Waschmaschine möchte wissen welches Programm sie wählen soll, bei wie viel Grad die Seidenbluse schmilzt und ob sie das Woll-Hemdchen mit 1600 Umdrehungen vernichten darf. Um ihr diese Daten elektronisch einzuspeisen, hat Bosch schlicht keine Schnittstelle vorgesehen. Die Mehrzahl der Haushaltsgeräte darf bei der Hausautomation (noch) nicht mitspielen. Noch verschlafen die großen Anbieter den Trend. Statt dessen tüfteln junge StartUps an neuen Konzepten für das IoT und treffen damit offensichtlich auf großes Interesse.

Twine

Supermechanical etwa wollte auf der Crowdfunding-Platform Kickstarter für sein Projekt Twine $35000 einsammeln. Statt dessen kamen sagenhafte $556541 zusammen. Twine ist eine kleine Box mit Sensoren und WLAN. Über ein Webinterface kann man Twine auch ohne Programmierkenntnisse konfigurieren. Anhand von Regeln kann man bspw. veranlassen, dass Twine eine Email versendet sobald der Keller feucht wird, oder ein SMS sendet, sobald sich etwas in der Nähe bewegt.

Ninja Blocks

Ebenfalls als Kickstarter-Projekt gestartet ist Ninja Blocks. Mit $102935 erhielt das Projekt mehr als das vierfache der benötigten Summe. Mittlerweile ist die Version 2 für $199 erhältlich. Die kleine, auf der offenen Plattform Arduino basierten Hardware kann ähnlich wie IFTTT regelbasiert Aktionen durchführen und ist sowohl Software- wie auch Hardwareseitig frei erweiterbar. Die Entwickler bitten sogar ausdrücklich darum, ihr Gerät zu hacken und damit „fantastische Dinge“ anzustellen.

Im Moment sind es die Anwender und kleine Startups und nicht die Großkonzerne, die das Thema Internet der Dinge mit ihrer Kreativität vorantreiben.

 

 

Sensoren und Aktuatoren

Das Internet of Things funktioniert im Grunde erstaunlich einfach. Smarte Gegenstände besitzen eine Schnittstelle und eine eindeutige Id, über die sie angesprochen werden können.
Es gibt Sensoren, die ihre Messdaten an eine Logik-Einheit schicken. Die Logik kann entfernt in der Cloud, aber auch lokal auf dem selben Ding stecken. Tritt ein definiertes Ereignisses auf, wird der Aktuator aktiv. Er führt die zum Ereignis passende Aktion aus. Die kann rein elektronisch sein (Tweet, Email, SMS, Ansteuerung einer Waschmaschine) oder auch physikalisch wie die Aktivierung eines Relais oder eines Motors. Sensoren und Aktuatoren kommunizieren über Serial Port, Webservices, Bluetooth, Mobilfunk usw. Im Schwarm und ohne menschliches Zutun können sie selbst komplexe Aufgaben erledigen. Die Kombinations- und Anwendungsmöglichkeiten sind unbegrenzt.

Vernetzte Welt

Die Unterhaltungselektronik hat es vorgemacht. Nach der Vernetzung der Wohnzimmer werden nun smarte Heizungsanlagen, Wlan-fähige Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen mit APIs Einzug in unsere Haushalte halten. Schon bald wird das Internet der Dinge nichts Abstraktes sondern unspektakuläre Realität sein. Der fortschreitende Ausbau breitbandiger Kommunikationsnetze, sinkende Kommunikationskosten, IPv6 und die damit eingehende Möglichkeit noch viel mehr Geräte ans Netz zu bringen, sind gute Rahmenbedingungen für das IoT. Erweitert man das Konzept um Katzenbabys, Autobahnen und Milchtüten führt das letztlich zum Internet of Everything, wie es z.B. Cisco sieht und Wired hier beschreibt.

Alles weitere ist reine Spekulation. In einer komplett vernetzen, intelligenten Welt könnten die smarten Komponenten selbständig Entscheidungen treffen und ohne unsere Hilfe agieren. Vernetzung und künstliche Intelligenz könnten dazu führen, dass sich Technik von ihrer humanoiden Abhängigkeit befreit. Vielleicht ist die Revolution ja bereits in vollem Gange? Seid also nett zu eurem Toaster, man weiß ja nie!

Update:

Verdammt, gerade darüber gestolpert: Das Waschmaschinen-API gibt es bereits!

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Veröffentlicht von Alexander Esemann

Hi! Ich bin Jahrgang 79, Webarchitekt bei Sharp in Hamburg und wohne mit meiner Frau und unseren drei tollen Kindern in Bremen. Hier auf esemann.com schreibe ich über Netzthemen und wie sich die Digitalisierung auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirkt. Bei Twitter werfe ich Gedankenfetzen in die Welt. Ich freue mich immer über neue Kontakte, also schreibt mir doch einfach mal.

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