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Ja, man kann Facebook-App ausblenden, Statusmeldung wegklicken und Newsletter abbestellen. Vor der Flut der Meldungen aus dem Web gibt es dennoch kein Entkommen. Was früher noch als Müll in der Mailbox landete, wird nun (meist) im Vorfeld als Spam erkannt und gleich weggefiltert. Die Nonsens-Meldungen gibt es statt dessen in Form von App-Benachrichtigungen, wöchentlichen Software-Updates und personalisierten Marketing-Mails. Dienste feuern ständig Nachrichten per Email und SMS, Update-hungrige Software blinkt in der Taskleiste und auf dem Smartphone werden neue Social Notifications angezeigt.
Moderne Apps sind gesprächiger als Teenager auf Klassenfahrt. Man kommt sich mitunter vor, als kümmere man sich um ein krankes Tamagochi.

„Wir haben wichtige Neuigkeiten für Dich!“ lautet der Tenor solcher Nachrichten, unterstrichen mit einer dringlichen Handlungsaufforderung. Egal ob es sich um ein neue Funktion, geänderte AGBs oder um eine „Wir-Vermissen-Dich“-Erinnerung handelt, brav lese ich alle Meldungen, klicke Links und aktualisiere Accounts. Ständige Benachrichtigungen sind zwar nervig, aber meine Neugier ist größer als mein Verstand. Wann immer eine Benachrichtigung für mich aufpoppt, muss ich sie sofort lesen!

benachrichtigung bei facebook

Es ist bemerkenswert, wie sehr sich das Dogma release early, release often bei Softwareherstellern und Startups durchgesetzt hat. Sie bringen gefühlt wöchentlich neue Updates ihrer Anwendungen heraus. So geraten sie beim Nutzer nicht in Vergessenheit. Natürlich wird Software mit jeder neuen Version besser, sicherer und nützlicher. Ja, deshalb aktualisiere ich sogar Anwendungen, die ich noch nie benutzt habe.

was sagen wir zum Java-Update

Cross Posting

Doch nicht nur die Anwendungen fluten uns stetig mit neuen Infos. Auch wir Nutzer mutieren zusnehmend zu Spam-Schleudern. Meine hochgeladenen Instagram-Fotos teile ich gleichzeitig auf Twitter. Meine neuen Blog-Artikel werden (experimentell) mit ifttt gelesen und automatisch zu Facebook geschubst. Spotify postet meine angehörten Musiktitel (leider ungefragt) bei Facebook und meine Games wollen jeden erledigten Endboss zusätzlich an meine Pinnwand nageln.

Die fortschreitende Automatisierung im Web und die Möglichkeit, multimediale Inhalte über mehrere (soziale) Kommunikationskanäle hinweg wiederzuverwenden, sind ein Segen für Netz-Autoren und andere Online-Berufe. Social Media Marketing Managern muss es wie ein Traum vorkommen, dass sie ihre Textbausteine ohne großen Aufwand bei Twitter, Facebook und im Unternehmens-Blog cross-posten können.

Benachrichtigungen werden zu Spam

Um alle Dienste und Zielgruppen gleichermaßen zu bedienen, werden Meldungen möglichst kurz und leicht verständlich gehalten. Meist enthalten sie eine unverbindliche Aussage und eine direkte Handlungsaufforderung mit Tracking-Code. Die beste Meldung ist die mit der höchsten Konversion. Das ist das Verhältnis von Lesern und Klickern. Hier mal ein Beispiel, das gut funktionieren könnte.

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Mit steigender Anzahl von App-Benachrichtigungen und User-(Auto-)Generated-Content sinkt der Informationsgehalt der einzelnen Nachrichten. Sind wir mal ehrlich: Niemanden interessieren mehr die erreichten Foursquare-Badges, niemand bewundert die Laufdistanz bei Runkeeper oder interessiert sich für Holgers geplanten Trip nach Mannheim. Doch wer sich über die Flut an automatisierten Meldungen ärgert, sollte auch die Quantität und Qualität seines eigenen Outputs prüfen. Dieser Artikel ist der letzte, den ich auf Facebook quer-poste werde. Wer über neue Artikel informiert werden möchte, kann bequem sie per Email oder als Feed abonnieren.

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Veröffentlicht von Alexander Esemann

Ich bin Alex, Jahrgang 79 und wohne mit meiner Frau und unseren drei tollen Kindern in Bremen. Hier auf esemann.com schreibe ich über Netzthemen und wie sich die Digitalisierung auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirkt. Bei Twitter werfe ich Gedankenfetzen in die Welt. Ich freue mich immer über neue Kontakte, also schreibt mir doch einfach mal.

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