Anonym surfen im Internet – Warum?

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unbekannt anonym surfenDie Zeiten, als wir uns noch einsam von Seite zur Seite klicken mussten, sind vorbei. Heute begleiten uns die eigenen Social-Network-Profile, große Werbenetzwerke folgen uns wie Schatten bei unserer Reise durchs Netz. Permanent werden Daten erhoben, gespeichert, ausgewertet und zur „Optimierung unserer Nutzererfahrung“ verwendet. Das Leben ist schön.

Die besuchte Seite will uns kennenlernen? Kein Problem. Bei jedem Klick hinterlassen wir unsere Visitenkarte in Form von IP-Adresse, Browserkennung Bildschirmgröße, Betriebssystem und so weiter. Diese Informationen geben wir unaufgefordert und ohne unser aktives Zutun (oder Wissen) preis. Für sich genommen harmlos, denn diese Daten lassen wenig Rückschluss auf unsere Identität zu. Umso erstaunlicher, dass ein individuell angepasster Browser bereits wie ein Fingerabdruck identifiziert und wiedererkannt werden kann.

Cookies sind noch viel besser. Das sind kleine Informationsschnipsel, welche auf unserem Gerät hinterlassen werden. So merkt sich die besuchte Webseite zum Beispiel, welche Produkte wir uns angesehen haben und ob wir bereits etwas in den Warenkorb gelegt haben. Cookies werden nach ihrer Funktion und ihrer Lebensdauer unterschieden aber das interessiert keine Sau. Merkt Euch einfach

  • Session-Cookies sind okay
  • Persistente Domain-Cookies sind so lala
  • Third-Party-Cookies sind mies

,denn sie geben Informationen an andere Webseiten weiter. Das Daten nicht auf der aufgerufenen Webseite bleiben, ist die Regel. Viele Informationen gehen an die eingebundenen Dienste. Das sind die üblichen Analyse-Tools wie Google Analytics, die vielen bunten Buttons zum Liken und Sharen und die heimlichen Könige, die großen Werbe-Netzwerke, die uns nach dem Besuch eines Gebrauchtwagen-Portals mit Anzeigen zu Haftpflichversicherungen beglücken nerven.

Track me if you can

Schon mal bei Amazon nach Kinderschaufel gesucht? Dann freue Dich auf spezielle Angebote wie Eimer, Förmchen und den riesen Spielzeugbagger! Amazon versteht es hervorragend, aus dem Nutzerverhalten auf das Nutzerinteressen und auf mögliche künftige Einkäufe zu schließen. Super… oder etwa nicht?

Wer beim surfen bei Facebook eingeloggt bleibt, wird auf Webseiten mit Facebook-Anbindung durch das Soziale Netzwerk erkannt. 3.245 Personen gefällt das.. Auch wenn Dir das nicht gefällt und Du den Button nicht klickst – Der blaue Freund weiß, das Du da warst.

Noch besser hat es nur Google. Mit angemeldetem Google-Profil die Google-Suche verwenden, hilft dem Internet-Gigant Dich und Deine Interessen noch besser kennenzulernen. Deine Suchanfragen, deine geplusten Seiten, die E-Mails auf Google Mail, dein aktueller Standort – Alles gibt Rückschlüsse auf deine Person und deine privaten Interessen. Das erlaubt ganz individelle Suchergebnisse nur für Dich! Das erlaubt auch personalisierte, zielgerichtete Werbung und das Ziel bist Du!

no privacy

Geo Targeting

Viele Webseiten fragen Standortinformationen des Besuchers ab. Die einfachste und ungenaueste Form ist die Ermittlung des Standortes anhand der IP-Adresse. So kann die selbe Webseite für Besucher aus verschiedenen Ländern oder Regionen unterschiedlich aussehen. Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar ist das geläufigste Beispiel.

Mobile Geräte verfügen oft über Mobilfunk oder (noch genauer) GPS. So kann ein Webseite oder App dem Nutzer das nächste Restaurant vorschlagen und die zum Ort passende Werbung. In der Bibliothek und beim Urologen…

Bestimme selbst!

Wir scheinen uns an diese Praxis der Datenerhebung gewöhnt zu haben. Doch wieso eigentlich? Ist es erstrebenswert überall im Internet mit Namen und speziell abgestimmten Angeboten begrüßt zu werden? Wer meint, das wäre toll, der freut sich bestimmt über den gefilterten Newsstream auf Facebook, der uns nur noch die wichtigen Statusmeldungen unserer Freunde anzeigt. Was wichtig ist bestimmt der Facebook Edge-Algorithmus für uns.

Was haltet ihr von vorselektierten, auf Zielgruppen abgestimmte Nachrichten? Statt Wirtschaftsteil lieber Katzenbilder? Technisch kein Problem. Newsportale zeigen zu einer Nachricht passende Meldungen an und merken sich Dein Interesse. Beim nächsten Besuch steht dein Lieblingsthema gleich auf der Titelseite.

Wer selbst entscheiden möchte, welche Nachrichten er lesen, welche Videos er sehen und welche Angebot er bekommen möchte, sollte nicht zulassen, dass seine Interessen durch Algoritmen bestimmt werden. Anonym surfen verhindert diese Art der intelligenten Bevormundung. Hört sich übertrieben an?

Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.

– Terry Pratchett

Freiheit ohne Namensschild

Anonym surfen bedeutet nicht nur unerwünschtem Targeting zu entgehen. Es bedeutet, das Aktionen im Internet wie Streamen, Seitenbesuche, Downloads, Suchen, Schreiben und Kommentieren anonym erfolgen und nicht auf eine Person zurückgeführt werden können. Aus Angst vor illegalen Downloads, anonymen Beleidigungen und vor dem Internet an sich werden immer weitreichendere Kontrollen gefordert und durchgesetzt. Vorratsdatenspeicherung, Bestandsdatenauskunft, Staatstrojaner. Wer Internetseiten der Polizei besucht, gerät ins Fahndungsraster. Deutschland setzt hier Überwachungstechniken ein, für die wir Russland und Syrien heftig kritisieren würden.

Doch wie kann man anonym bleiben, wenn bei jeder Aktion die eigene IP-Adresse mitgesendet wird? Wie man trotz Vorratsdatenspeicherung, Browserkennung und Social Networks anonym surfen kann, erkläre ich in einem meiner nächsten Artikel.

2 Antworten auf „Anonym surfen im Internet – Warum?“

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