We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us.

Bisher war Anonymous für mich ein Pseudonym wie John Doe oder Max Mustermann. Einfach ein Sinnbild für jemanden der keine Identität hat oder sie nicht angibt. In den letzen Monaten habe ich häufig von der Internet-Bewegung Anonymous gehört, die mit einigen spektakulären Aktionen und skurrilen Videos auf sich aufmerksam macht. Aber wer ist das und was wollen die?
Die Bewegung Anonymous
Anonymous ist ein Zusammenschluss von Internet-Aktivisten mit gemeinsamen Vorstellungen und Zielen. Im Gegensatz zu Parteien, Vereinen und Organisationen besitzt Anonymous weder Hierarchien oder Pressesprecher. Es gibt keine (bekannten) Anführer oder ein Mitgliedsregister. Daher kann man weder beitreten noch austreten. Jeder der sich der Sache verbunden fühlt, sein Ego zurücknehmen kann und der Sache dient ist bereits "Anon".
Anonymous operiert im Web und ist wie das Web dezentral organisiert. Es gibt unzählige Webseiten, Twitter-Accounts, Facebook-Seiten, IRC-Channel, Foren usw., auf denen die Teilnehmer sich austauschen und die nächsten Aktionen vorbereiten. Wegen der verteilten Struktur und der konsequenten Vermeidung von Klarnamen können Aktionen und Gesetz-verstoße nur schwer zurückverfolgt werden.
Was macht Anonymous
Es lässt sich nur wage beschreiben wofür Anonymous eigentlich eintritt. Es fehlt einfach jemand Offizielles, den man fragen könnte. Die Aktivisten verbindet der Protest gegen gefühltes Unrecht, Überwachung und Unterdrückung. Die Gegner sind Sekten, Großkonzerne, Lobbyisten oder Behörden. Zum Gegner kann jeder werden – jederzeit. Tatsächlich ergeben sich aus der aktuellen politischen Lage oder Debatten genügend Ziele, denn die (Meinungs-)Freiheit der Bürger wird tagtäglich bedroht. Das gilt insbesondere für Internet-Themen, bei denen mächtige, finanzstarke Interessensverbände mit oft inkompetenten (EU-)Politikern aufeinander treffen. Um uns und dem EU-Parlament zu verdeutlichen, was ACTA ist und was es für Auswirkungen haben würde, hat Anonymous ein anschauliches (wenngleich fragwürdiges) Video erstellt. Hier die deutsche Fassung:
In der Tat hilft ACTA nicht den Kreativen, sondern ist eine Legimation künftig hart im Sinne der Rechteverwerter gegen uns User oder Portale wie Facebook vorzugehen. Das Portale oder Infrastruktur-Anbieter für die Inhalte verantwortlich gemacht werden sollen, wäre so, wie wenn man die Post für den Inhalt der gelieferten Pakete verantwortlich machen will. Klingt unglaublich, aber das ist ACTA.
Anonymous schafft es mit Videos, aber auch mit weitaus drastischeren Mitteln Themen zu besetzen und Anhänger zu gewinnen. Anons verbreiten Botschaften und koordinieren Internet-Attacken über IRC-Chats und Twitter, rufen auf Facebook zu Demos aus und betreiben Youtube-Channel. Insgesamt gehen die netzaffinen Teilnehmer nicht zimperlich, sehr selbstbewusst und bemerkenswert erfolgreich vor. Zu ihnen zählen 16-jährige Kids genauso wie gestandene CCC-Veteranen. Ihnen gelingt es immer wieder durch gleichzeitige verteilte Angriffe (DDoS-Attacken) Internet-Seiten lahm zu legen, sich in Systeme zu hacken und brisante Informationen zu "leaken".
Sehr medienwirksam war bspw. die Operation Blitzkrieg, in der Anonymous mehrere Nazi-Seiten lahm legte und auf nazi-leaks.net (Seite ist down) die Namen und persönliche Daten von rechtsgesinnten Personen veröffentlicht.
Woher kommt Anonymous?
Ihre Ursprünge liegen Japanischen und Amerikanischen Foren und Imageboards wie 4chan, in denen Bilder ausgetauscht und diskutiert werden. Es herrscht eine (Sub-)Kultur der freien, anonymen Kommunikation. Erstmals von sich reden machte Anonymous als sie mit ihrer Operation Chantology Scientology den Krieg erklärten und mit Protesten, Demonstrationen und Videos für eine breite Öffentlichkeit sorgten. Seitdem scheint sich Anonymous verselbstständigt zu haben. Als Wikileaks unter Beschuss durch US-Behörden und Konzernen geriet und der Enthüllungsplattform der Geldhahn zugedreht wurde, startet Anonymous im Dezember 2010 die Operation Payback. Koordiniert über den Twitter-Account @anon_operation starteten zeitgleich mehrere tausend Anfragen an Visa, MasterCard und später auch Paypal. Die Seiten brachen unter der Last zusammen und waren zeitweise für normale Besucher nicht zu erreichen.
Die im wahrsten Sinne des Wortes unfassbare Masse von Sympathisanten, die verschiedenen Strömung und Interessen machen es unmöglich vorherzusagen was als nächstes passiert und was aus Anonymous wird. Die Maske, die zum Symbol für Anonymous wurde, haben wir aber bestimmt nicht zum letzen Mal gesehen. Sie bringt übrigens Time Warner als Rechteinhaber eine menge Lizenzgebühren ein!
Es ist gut, dass die Kultur des aktiven Protestes zurückkehrt. Egal ob Anti-Castor Kundgebung, Occupy-Bewegung, ATTAC oder die Schneerevolution, es gibt viele Gründe warum Protest notwenig ist. Wer tatenlos zusieht, wie nach und nach die Schließung von Tauschbörsen und die Sperrung von Webseiten voranschreitet, der ist letztendlich mitverantwortlich, wenn aus freien Bürgern hilfloses "Stimm- und Melkvieh" wird. Wer sich nicht persönlich dem Kampf stellen will oder möchte, der kann sich ja eine Maske aufsetzen.
You are Anonymous!
Zum Schluss noch ein paar empfehlenswerte Videos zum Thema Anonymous und ACTA. Ihr könnt diesen Artikel mit Klarnamen oder unter Pseudonym kommentieren!
