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Ich schmöcker gerade in einem Buch mir dem Titel Website-Konzeption von Jens Jacobsen aus dem Jahr 2005. Gerade weil das Buch nicht mehr aktuell ist, finde ich es sehr amüsant. Davon abgesehen, dass es sehr verständlich geschrieben ist, liest es sich wie eine Reise in längst vergangene Zeiten. Wenn man sich erinnert, was vor Jahren noch als best practice beste Vorgehensweise bei der Erstellung von Websites galt, wird schnell klar, warum sie heute so grotten-schlecht aussehen.
ugly website with iframes
Statische Websites sind Mist

Im Buch wird ausführlich erklärt, wie der „Konzepter“ die Informations-Architektur (wo steht was) für statischen Websites festlegt, und das man an die User mit 28.8k Modems denken sollte, wenn man grössere Bilder auf die Seite stellt. Das waren Zeiten, als man sich ernsthaft Sorgen um websichere Farben machte und das Web dank Flash und Real-Player-Plugin Multimedia-fähig wurde!

Wenn im Footer einer solchen Site der Copyright-Vermerk von © 2003 auf © 2005 geändert werden soll, müssen alle HTML-Dokumente überarbeitet werden! Auch die Gestaltungsangaben wurden gern inline, also im HTML-Dokument selbst, festgelegt. Wenn die Überschriften nun größer dargestellt werden sollten, hieß dass alle H1-Elemente zu suchen und anzupassen. Auch weil statische Seiten so mühsam zu verändern sind, werden sie selten weiterentwickelt und verbessert. Dennoch sind sie noch immer allgegenwärtig.

Flash Intros – keiner vermisst sie

Erinnert ihr Euch noch an die vielen Flash-Introseiten, die bei keinem professionellen Internet-Auftritt fehlen durften? Oft musste man sich 2 Minuten Flashfilmchen reinziehen, während man verzweifelt nach dem „Skip Intro“-Button suchte. Wer Flash Intros immer noch supi findet, sollte sich diesen Blogeintrag durchlesen.

Mobile Anwendungen

Kurz werden in dem Buch auch „Mobile Anwendungen“ mit WAP erklärt, die dadurch interessant würden, das Handys die schnelle Übertragungsart GPRS und einige sogar UMTS beherrschten. Es wird darauf hingewiesen, dass es schwierig sei, für die kleinen Displays mit verschiedenen Bildschirmauflösungen und der geringen Übertragungsrate anständige Webseiten zu programmieren. Das ganze sei bestimmt spannend, aber im Moment eben nur ein Nischenmarkt – aus heutiger Sicht kann man sagen, WAP, cHTML und Konsorten werden aus ihrer Nische nicht mehr herauskommen. Apple hat mit dem iPhone die Welt der mobilen Anwendungen komplett verändert. Die Browser der modernen Smartphones stellen auch komplexe HTML-Seiten ansprechend dar und bieten oft bessere Unterstützung neuer Standards wie HTML5 und CSS3 als gängige Desktop-Browser.

Popups und anderer Schweinkram

Wichte Hinweise wurden gern in Popups geöffnet, damit sie blos nicht übersehen werden. Die Dinger öffneten sich überall und andauernd, beim Betreten der Seite, beim Verlassen, als Fenster im Vordergrund, im Hintergrund als Popunder…kombiniert mit beschissenen Javascript-Meldungen

Wollen Sie die Seite wirklich verlassen?

Ja, und zwar für immer!
Da moderne Browser Popups kaum noch zulassen, wurden diese durch andere nervige Techniken abgelöst.

Einige Dinge, die bestimmt zu den zeitlos schlechtesten gehören sind

Besucherzähler

tinycounter

Der Besucherzähler ist ein Schnipsel, den man in das HTML einbetten kann, und von einem Provider ein generiertes Bild einbettet. Das soll dem Benutzer zeigen, bzw. vorgaukeln, dass sich bereits Counter For Site andere Nutzer die Seite angehen haben, und dass diese Seite deshalb sehr sehr toll ist!

Überall waren bunt animierte Grafiken (GIFs) zu sehen, und im Vermerk stand, die Seite sei für den Internet Explorer 5 und eine Bildschirmauflösung von 800 x 600 Pixel optimiert – Und tatsächlich konnte man sie im Netscape-Browser kaum wiedererkennen.

Wieso gibt es schlechte Websites?

Einige Unternehmen dachten vielleicht, dass sie dem Internet fehlen könnten. Sie beauftragten selbständige und selbsternannte Webdesigner ihnen eine Internet-Seite zu „programmieren“. Da der mögliche Nutzer nicht bekannt war, wurde die Seite nicht für ihn, sondern für die Firma entwickelt. Am besten einfach die Struktur am Organigram der Firma ausrichten: Einen Bereich für Marketing, einen für Service und eine für Produktentwicklung. Dazu kommt noch eine „Über-Uns“-Seite, in der man die Unternehmensgeschichte runterspulen kann. Das ist in etwas so spannend wie die Urlaubsfotos von Onkel Peter.

Niemand interessiert sich für Deine Website

zumindest solange sie dem Benutzer nicht das bietet, wonach er sucht. Eine Website, die für den Betreiber konzipiert wurde und nicht für den Benutzer ist zum scheitern verdammt. Eine weitere Kraut-und-Rübenseite, die niemand braucht.

Wer im Jahr 2001 Interaktionen mit seinen Besuchern erlauben wollte, hatte es aber auch schwer. Ein Gästebuch, Chat, Forum oder eine Bildergallerie konnte man zwar als fertige Komponenten herunterladen und dann in die Website integrieren, das Design musste dafür jedoch mühsam angepasst werden, Icons und Layout-Elemente sahen danach trotzdem „fremd“ aus. Meist blieb nur das komplette Umschreiben des Codes (falls das erlaubt war) Eine einfache Einbindung solcher Funktionen, bspw. per Javascript, kam selten in Frage, da das Konzept von Widgets sich noch nicht durchgesetzt hatte. Die Seiten sahen aber auch deshalb blöd aus, weil es keine vernünftigen Vorbilder gab. Ein Startup konnte sich nicht an eins der heute üblichen Web2.0 Layouts orientieren. Vielleicht dienten damals an der New Your Times oder versuchte die Navigation von Yahoo nachzuahmen?

Schlechtes Webdesign ist zeitlos

Es gibt heute genauso schlechte Seiten wie damals. Gefühlt hat sich die Qualität der Websites in den letzen Jahren jedoch stark verbessert. Das liegt auch an den Suchmaschinen, denen es durch verbesserte Algorithmen oft gelingt hochwertige Seiten in den Suchtreffern höher zu ranken stufen. Auf die schlechten Seiten kommt man daher selten. Zum Anderen gibt es heute bessere Hilfmittel für Laien, um mit wenig Aufwand und ohne Programmierung anständige Webseiten zu betreiben. Ob mit WordPress-Blog oder Open-Source CMS, mit den richtigen Tools und einem netten Theme hat man schnell eine passende Lösung. Ein eigener Internet-Auftritt ist auch nicht zwangsweise nötig. Selbst der Fleischer um die Ecke will heute lieber eine Facebook-Fanpage haben als eine statische Internetseite mit Flash-Intro.

Die Zielsetzung von Websites hat sich ebenfalls starkt verändert. Ging es vormals beinahe ausschließlich um die Verbreitung von Informationen (Firmenpräsentation, Produkte, Kontaktdaten, gähn…) , rückte der Fokus mit dem Aufstieg von Web2.0 stärker auf die Interaktion mit dem User. So bieten etwa Weblogs Artikel wie diesen hier, die dann von Benutzern kommentiert werden können oder von anderen Bloggern in weiteren Artikeln aufgegriffen werden.

Einige Web2.0 Websites stellen hingegen kaum Inhalte bereit, sondern dienen nur als Platform, auf der die Benutzer selbst Inhalte einstellen, derentwegen Andere die Website besuchen. Typische Vertreter sind Bewertungsplatformen wie Qype oder Ciao.

Die derzeit erfolgreichsten Websites Twitter, Facebook und dazu gehört bald auch Google+, verlassen sich komplett auf benutzergenierten Inhalt.

Vielleicht schreibe ich demnächst einen Artikel über aktuelle Webseiten – und was an Ihnen schlecht ist.

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Veröffentlicht von Alexander Esemann

Ich bin Alex, Jahrgang 79 und wohne mit meiner Frau und unseren drei tollen Kindern in Bremen. Hier auf esemann.com schreibe ich über Netzthemen und wie sich die Digitalisierung auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirkt. Bei Twitter werfe ich Gedankenfetzen in die Welt. Ich freue mich immer über neue Kontakte, also schreibt mir doch einfach mal.

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1 Kommentar

  1. Hallo Alexander,

    Du hast noch die blinkende Bannerwerbung vergessen, die jedem eine private Krankenversicherung anbietet. 😉

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