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Ursprünglich war das Urheberrecht klar geregelt – es gab keins. Die ollen Künstler malten für einen hässlichen Fürsten ein hübsches Portrait, oder schrieben ihm ein Gedicht oder komponierten für ihn ein feines Lied. Dafür wurde der Künstler gelobt und geehrt und bekam Tantieme, die er versaufen konnte.

Damit war die Leistung abgegolten und alle waren zufrieden. Was aber tun, wenn sich kein hässlicher Fürst mehr findet und man die Lorbeeren vom gemeinen Pöbel holen muss? Ganz einfach – dann sucht man sich halt einen Publisher, einen Verlag oder ein Label, macht einen Deal und steht damit schon mitten im Dschungel des heutigen Urheberrechts.

Das ist seit dem 18. Jahrhundert immer gerechter, weil komplizierter geworden und ist nun so gerecht, dass weder die Künstler noch die Rechteinhaber noch die Nutzer damit zufrieden sind.

Der Kampf ums Urheberrecht
Der Kampf ums Urheberrecht – THE BATTLE OF COPYRIGHT – CHRISTOPHER DOMBRES – CC BY 2.0

The winner takes it all

(© 1980 – ABBA)

Die Mehrheit der Kreativen können von ihrer Kunst nicht vernünftig leben, während sich die wenigen Superstars ganze Inseln kaufen müssen, um vor ihrem eigenen Ruhm zu fliehen. Die Rechteinhaber, Verlage und Verwertungsgesellschaften, kurz Lobby-Vereine haben indes viel zu tun.

Die Milliarden Dollar Industrie kämpft um ihr Überleben. Deren Elite-Lobbyisten haben einen klare Botschaft an die Regierungen dieser Welt.

Nun gut. Ihr wollt Geschäfte mit mir machen? Ich werde Geschäfte mit Euch machen.

(© 1990 – Michael Corleone)

Entschlossen rufen Sie zum Kampf gegen die digitale Gesellschaft und die Kostenlos-Kultur. Als Aufklärer vertellen sie den Politikern, wie sie das Internet zu einem besseren Ort machen können. Besser Schutz vor Piraten und Terroristen und Kinderschändern und so…  Den Kreativen erklären sie nebenbei, dass sie ihnen nichts bezahlen können, solange ihre Werke vor dem Release bereits gratis bei YouTube, Megaupload oder kino.to zu finden sind. Welch‘ eine Sauerei!

Dabei ist das Urheberrecht doch ein verbrieftes, wenn nicht sogar Gott gegebenes Grundrecht, was noch 70 Jahre über den Tod hinaus dem Urheber und seinen Verbliebenen Einnahmen sichern soll. Die Jacksons haben es ja wohl mehr als verdient, oder? Das normalerweise ein Musikstück, ein Buch oder ein Film bereits nach wenigen Monaten wie Blei in den Regalen liegt, ist eher nebensächlich. Wo kämen wir hin, wenn heute einfach jemand den Elvis nachäffen täte ohne den Rechteinhabern… Moment mal… vergesst es…

Technik macht das Urheberrecht kaputt

Die blöde Technik ist schuld daran, dass man erst Musik als MP3, später dann Videos als DivX und heute in Blu-Ray-Qualität als Torrent ziehen kann. Selbst vor Büchern macht diese teuflische Digitalisierung nicht halt – Kopierschutz, Wasserzeichen und DRM zum Trotz. Streaming-Plattformen wie YouTube machen Milliarden mit fremden Content. Wenn man diese Fehlentwicklung schon nicht zurückdrehen kann, dann sollen die neumodischen Medien-Dingsda zumindest was vom Kuchen abgeben! Dafür kämpft die GEMA als letzte Bastion gegen den totalen Ausverkauf oder genauer Verramschung des geistigen Eigentums.

Doch auch die Koalition will mit dem beschlossenen Leistungsschutzrecht zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Künftig sollen Google-News und alle kommerziellen Webseiten dafür bezahlen, wenn sie Textausschnitte von Verlagshäusern zitieren, selbst wenn sie auf die Quelle verweisen. Das wäre dann so, wie wenn die Gelben Seiten dafür bezahlen sollen, wenn sie die Adresse eines Klempners abdrucken, logisch oder?

Doch was helfen Gesetze, wenn ihre Einhaltung nicht kontrollierbar ist? Man muss doch sicherstellen, dass die gemeinen Filesharer entlarvt und angemessen bestraft werden können! Dazu braucht man erst mal Transparenz im Netz

Wer hat was wann heruntergeladen?

Hat der Deliquent den illegalen Download etwa zur Eigennutzung heruntergeladen (Süchtiger) oder gar geshared (Dealer)? Die Infrastruktur, um das herauszufinden, haben die Internet-Service-Provider. Die sollen gefälligst freiwillig bei der Aufklärung und Überwachung mitwirken. Da die EU schon so etwas Feines wie die Vorratsdatenspeicherung vorsieht, kann eine Kontrolle wie in Frankreich umgesetzt und in England geplant, für die deutschen ISPs doch nicht so schwer sein?

Man könnte den Abtrünnigen sogar vorwarnen: „Sind sie wirklich sicher, das sie das Album illegal herunterladen wollen?“ und erst nach zwei Verwarnungen und einer automatisierten Abmahnung die Strafanzeige stellen.

Den 13-Jährigen Erstsünder könne man in eine Datenbank aufnehmen, den Wiederholungstäter müsse man zur Abschreckung mit der vollen Härte des Gesetzes bestrafen. Verstösse gegen das Urheberrecht sind schließlich keine Lapalie! Deshalb fordern die Lobbby-Vereine gemeinsam mit 51 Tatort-autoren, sowie namhafte Newcomer wie Sven Regener von Element of Crime das Ende der postulierten Kostenloskultur, die rigorose Bekämpfung von Tauschbörsen, Gebühren von Streaming-Plattformen und die überfällige Unterzeichnung des ACTA-Abkommens.

Hört her ihr verruchten Netzaktivisten, Content-Piraten und digital Natives:

Hier stehe ich und kann nicht anders.

(© 1521 – Anon)
Dieses dramatische Zitat wird dem ollen Luther zugeschrieben. Der hat bestimmt ganz viele tolle Dinge gesagt und ist Autor eines ganz dicken Buches, das bestimmt nirgends verschenkt wird 😉 und für das er bestens entlohnt wurde. Die Sätze jedoch hatte er nie gesagt. Bis die Urheberschaft geklärt ist, sollte die Verwendung des Zitates unterlassen werden. Wer weiß, ob sich der Enkel des wahren Urhebers nicht doch noch meldet!

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Veröffentlicht von Alexander Esemann

Ich bin Alex, Jahrgang 79 und wohne mit meiner Frau und unseren drei tollen Kindern in Bremen. Hier auf esemann.com schreibe ich über Netzthemen und wie sich die Digitalisierung auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirkt. Bei Twitter werfe ich Gedankenfetzen in die Welt. Ich freue mich immer über neue Kontakte, also schreibt mir doch einfach mal.

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2 Kommentare

  1. Der Urheberrechtsschutz in Deutschland endet erst 70 Jahre (§ 64 UrhG) nach dem Tod des Urhebers.

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