Bitte nichts sagen

Warum sprechen wir eigentlich? Wer Worte formuliert, könnte versuchen sich mitzuteilen, ein Empfinden oder einen Wunsch oder seine Meinung zu äußern. So kenne ich das zumindest von meinen Kindern.

Ich will Spagetti!

Das heisst Bitte!

Ich will nicht Bitte, ich will Spagetti!

Klar ist das naiv. Erst durch einen langen Lernprozess begreifen wir, dass man nichts sagen darf, erst rechts nicht das, was man meint!

Das man reden kann, ohne auch nur im Geringsten etwas zu sagen, wird klar, wenn Politiker in der Tagesschau interviewt werden.
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Ist die Soziale Marktwirtschaft noch wettbewerbsfähig?

Plakat für die Bundestagswahl 1957 für die Soziale Marktwirtschaft und die CDU/CSU.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – diese Losung der französischen Revolution prägte das Grundverständnis unserer Demokratie. Gerechtigkeit beruht auch heute noch auf der Vorstellung, dass jeder Mensch gleich ist. Unabhängig von sozialer und ethnischer Herkunft haben alle Bürger die selben Rechte. Dazu gehört auch die Chancengleichheit und das Recht auf freie persönlichen Entfaltung und Selbstverwirklichung. Um evidente Unterschiede auszugleichen und eine tatsächliche Chancengleicheit zu ermöglichen, sollen sich die Starken um die Schwachen in der Gesellschaft kümmern. Das nennen wir Soziale Gerechtigkeit und finden das richtig. Generationenvertrag, Solidaritätszuschlag, Länderfinanzausgleich – es gibt viele Beispiele für die institutionierte Solidarität. Grob gesagt handelt es sich die Umverteilung aus für gewöhnlich vollen in notorisch leere Töpfe.

Plakat für die Bundestagswahl 1957 für die Soziale Marktwirtschaft und die CDU/CSU.

Die Soziale Marktwirtschaft ist eine der wichtigsten Erungenschaft der deutschen Nachkriegszeit. Mit Stolz blicken wir auf den Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder und auf die geschaffenen sozialen Sicherungssysteme. Sie fangen die Einzelnen im Notfall auf, anstatt sie aufzugeben. Es scheint beinahe, als habe Deutschland die darwinistischen Naturgesetze überwunden, nach denen nur der Starke überlebt. Das sonst so gern gewähle US-Amerikanische Vorbild konnte mit seinem ungezügelten Kapitalismus nicht überzeugen. Für wen wollen wir den Wohlstand, wenn nicht für Alle?
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Tanz der fetten Hennen

Ich saß mit einem älteren Ehepaar in einem Straßencafé am Hamburger Rathaus. Wir redeten gerade über Kunst und über den Louvre, als plötzlich drei sehr dicke Frauen von irgendwo her auf den Platz kamen. Sie waren barfuß und trugen nichts außer bunte kurze Röcke. Ihre massigen, halbnackten Körper wirkten wie durch Folter entstellt. Hässliche lange Narben zogen sich über ihre Gesichter und Oberkörper. Die grässliche Entstellung wurde durch dunkle Schminke noch hervorgehoben.

Langsam und gelassen kamen die Frauen auf uns zu. Als sie sich der Aufmerksamkeit aller Gäste sicher sein konnten, hoben sie die Arme uns fingen an zu einer lautlosen Musik zu tanzen. Sie wiegten ihre Hüften, drehten sich und wirbelten umeinander herum und schienen daran viel Freude zu haben.

Meine beiden Begleiter und einige andere Gäste protestierten. Ein älter Mann sprang auf beschimpfte eine der Tänzerinnen als fette Henne. Passanten blieben stehen und gafften dreckig. Den Tänzerinnen machte es nichts aus. Sie lachten und tanzten noch wilder um uns herum, fassten sich an den Händen und wiegten sich ungeniert im Rhythmus der virtuellen Musik.

Das Ehepaar wurde hektisch, sprach auf und wollte sofort zahlen. Weil kein Kellner in der Nähe war, schmissen sie panisch Geld auf den Tisch und eilten davon. Ich blieb verdattert an meinem Tisch sitzen, während die Frauen genauso schnell entschwanden wie sie gekommen waren.

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