Das verfluchte Urheberrecht

Jeder Bürger ist von der Urheberrechts-Debatte betroffen, egal ob er vorwiegend Zeitung liest, Facebook nutzt, DVDs kauft oder Musik streamed. Man muss kein Netzaktivist oder Autor sein, um sich für politische Vorgänge und Entscheidungen zum Thema Urheberrecht zu interessieren. Im Moment gibt es mehr als genug Gründe dafür, etwas genauer hinzusehen.

Politik wird gerne im Sinne derer gemacht, die am lautesten schreien und wie so oft, haben die falschen Leute das größte Megaphon.
Wenn sich eine Branche Gehör verschaffen will, deren Kerngeschäft die Vermarkung geistiger Schöpfung ist, dann kann von einer gewissen Professionalität ausgegangen werden. Meinungsmacher wie das Handelsblatt können bei Ihren Kampagnen (mein Kopf gehört mir) mit einer breiten Öffentlichkeit und vielen unbefangenen und beeinflussbaren Empfängern rechnen. Weil sich die Leitmedien durch den Medienwandel von offline zu online bedroht sehen, hört man ihr Wehklagen im Moment selbst durch dickste Kopfhörer. Die Redaktion freut sich darüber, das Netz in Aufruhr gebracht zu haben. Ich war geradezu enttäuscht, wie sachlich und zurückhaltend sich dieser Aufruhr gestaltet.

Leistungsschutzrecht – Wir waren im Wahlkampf und brauchten die Verlage.

Die bereits im Koalitionsvertrag festgelegte Einführung des Leistungsschutzrechtes nimmt mit dem nun veröffentlichten Gesetzesentwurf eine geradezu wahnwitzige Form an. Das Gesetz sieht vor, dass selbst das Anreißen und Verlinken von Presseerzeugnissen (wie es Google News macht) künftig nur noch gegen Bezahlung erfolgen darf. Das ist so, als wenn der Touristenführer dafür zahlen soll, wenn er ein gutes Restaurant empfiehlt.

Die möglichen Auswirkungen des Leistungsschutzgesetzes sind gravierend. Wenn der Gesetzentwurf in der vorliegenden Fassung verabschiedet würde, wäre das der Auftakt zu einer neuen Abmahn-welle. Die ohnehin schon angreifbaren Netzbürger würden noch stärker unter der wachsenden Rechtsunsicherheit leiden. Ein Link bei Facebook, ein Tweet mit der Überschrift eines Artikels – Was ist noch erlaubt? Es ist sogar unklar, ob Blogger überhaupt noch zitieren dürfen.

Urheberrechts-Debatte
Richtig interessant, da unterhaltsam wird das Thema Urheberrecht erst durch Äußerungen von prominenten Künstlern.

Man findet erstaunlich viele naive Kreative, die sich auf die Seite der Rechteverwerter und des Urheberrechts sehen. Dazu gehört natürlich der sehr unterhaltsame Rant von Sven Regener, in dem er über Youtube und die blöden Jugendlichen herzieht, die alles umsonst haben wollen und ihm “ins Gesicht pinkeln”.

Ich las den offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an konkrete Parteien (Grüne und die Piraten) und eine unkonkrete “Netzgemeinde”. Die Autoren erklären, dass sie mit den verschiedensten Lebenslügen aufräumen wollen und bedienen sich dabei der bewerten Argumentation das Urheber und die Verwerter einander brauchen und eine Art Symbiose bilden. Das ist in der Tat gängige Praxis – ginge aber prinzipiell auch ohne die Mittler zwischen Urheber und Konsument. Ja, die Publisher bieten Urhebern eine wichtige Dienstleistung. Sie verbreiten deren Werke. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. “Publish” ist heute noch ein Job, morgen nur noch ein Knopf, auf den man drückt.

Eat this
Selbsternannte Beschützer der Urheber, Rechteverwerter und ignorante, ewig gestrige Künstler meckern über die vermeidliche Kostenlos-Kultur im Internet und schreien nach restriktiven Gesetzen zum Schutz des “Geistigen Eigentums”. Tatsächlich versuchen sie einen Status Quo zu wahren und entziehen sich der unangenehmen Wahrheit und Tatsachen. Es ist Fakt, das digitalisierbar auch kopierbar bedeutet. Es ist unbestreitbar, dass das Internet nicht primär den gewohnten Geschäftsprozesse von Verlagen, Musiklabels oder der “Content-Industrie” dient. Nein, das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Es ist aber auch keine Marketingplattform, kein Vertriebskanal und auch kein böser Ort des Wahnsinns. Wir sind das Netz und das Netz sind wir. Solange das noch nicht verboten ist, gibt es Chancen unsere Ideen im Netz zu verwirklichen und unsere Meinung im Netz zu sagen. Doch leider entspricht die übliche Internet-Nutzung bereits jetzt nicht mehr dem deutschen Urheberrecht. Sei es Re-pins auf Pinterest, das Verlinken von Inhalten auf Facebook oder das Re-bloggen auf Tumblr, im Grunde verstoßen wir bereits gegen das geltende Urheberrecht. Es noch zu verschärfen, käme einer pauschale Diskriminierung der Internetnutzung gleich. Ist das die Zukunft?

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